Drei Bühnen, 60 Vorträge, mehr als 1.500 Besucher und am Ende des Tages eine ganze Menge neuer Erkenntnisse. Der Shopware Community Day (SCD) am 10. Juni 2026 in Köln war diesmal mehr als das jährliche Treffen der Shopware-Gemeinschaft. Teilnehmer konnten teilhaben an der Vision, die Shopware für die Zukunft verfolgt: weg vom reinen Shopsystem, hin zur Infrastruktur für einen Handel, in dem nicht mehr nur Menschen einkaufen, sondern zunehmend auch KI-Agenten. Auf geht's, hier ist unsere Einordnung, was der SCD 2026 gebracht hat.
Kurz gesagt: Niemand muss diese Woche etwas umbauen. Konkret nutzbar ist ab sofort Shopware Payments, eine in die Plattform eingebaute Zahlungsabwicklung auf PayPal-Basis, zunächst für Deutschland und Österreich. Nexus und Copilot zielen auf Integrationen und Admin-Arbeit, das Experience Studio ist ausdrücklich ein Forschungsprojekt. Die wichtigste Vorbereitung kostet kein Geld: Für alle Shopware-Nutzer gilt es, den Shop aktuell zu halten und die Produktdaten in Ordnung zu bringen.
Wenn Maschinen einkaufen
Co-CEO Sebastian Hamann stellte in der Keynote eine unbequeme Frage: Was macht einen Händler noch interessant, wenn Software die Kaufentscheidung trifft? Seine Antwort fiel zweigeteilt aus. Für KI-Agenten zählt, ob ein Shop technisch andockbar ist, das heißt zum Beispiel, ob er maschinenlesbare Daten und offene Schnittstellen liefert. Für Menschen hingegen zählt das Gegenteil: Vertrauen und vor allem ein Einkaufserlebnis, das in Erinnerung bleibt.
„Shopwares Rolle ist es, Händlern zu helfen, in diesem Übergang frühzeitig zu handeln, die Kontrolle zu behalten und Unsicherheit in Chancen zu verwandeln."
– Sebastian Hamann, Co-CEO von Shopware
Hinter dieser Aussage steckt eine These, die sich durch den gesamten SCD zog: Im KI-Handel gewinnt, wer seinen Geschäftskontext beisammen hat – Bestände, Preise, Kundenbeziehungen, Bestellhistorie. Heute liegt dieser Kontext bei vielen Händlern verstreut über ERP, CRM, PIM und ein gutes Dutzend weiterer Systeme. Genau dort setzen die vier Shopware-Neuheiten an, die in der Keynote vorgestellt worden sind.
Vier Produkte, eine Architektur
| Produkt | Was es ist | Stand heute |
|---|---|---|
| Shopware Nexus | Verbindungsschicht zwischen Shopware und ERP-, CRM- und PIM-Systemen, soll selbstgebaute Middleware ablösen | Gestartet, nach mehrmonatiger offener Beta |
| Shopware Copilot | KI-Assistent im Admin, der Aufgaben nicht nur erklärt, sondern erledigt nach jeweiliger menschlicher Freigabe | Agentische Fähigkeiten als Beta |
| Shopware Payments | Zahlungsabwicklung direkt in Shopware, auf der regulierten Infrastruktur von PayPal | Verfügbar in Deutschland und Österreich |
| Experience Studio | Storefront-Erlebnisse per Texteingabe erzeugen | Forschungsvorschau |
alle vier Neuerungen im Überblick bei Shopware
Nexus: Schluss mit dem Schnittstellen-Flickenteppich?
Wer einen Shop betreibt, kennt die Rechnung: Ein erheblicher Teil jedes Projekts fließt nicht in den Shop selbst, sondern in die Verbindungen drumherum. Warenwirtschaft anbinden, Bestände abgleichen, Rechnungen zurückspielen, dabei wird jede Schnittstelle einzeln gebaut und einzeln gepflegt. Shopware beziffert den Anteil auf gut die Hälfte des Projektaufwands. Aus unserer eigenen Praxis mit Xentral-, Pickware- und individuellen ERP-Anbindungen können wir sagen: Die getroffene Aussage kommt hin.
Nexus soll das nun ändern. Shopwares Idee ist eine eventgetriebene Orchestrierungsschicht in Shopware, die auf Ereignisse reagiert. Die Bestellung ist eingegangen, der Bestand hat sich geändert, eine Retoure wird gemeldet und die Informationen werden an die angeschlossenen Systeme weitergereicht. Statt für jedes Projekt neu zu programmieren, konfiguriert man Abläufe, die Updates und Versionswechsel überstehen. Auf dem SCD 2025 angekündigt, lief Nexus seit Jahresbeginn als offene Beta, jetzt ist es regulär gestartet.
Wichtig fürs Erwartungsmanagement, und das sagt Shopware selbst recht deutlich: Nexus ist kein Migrationswerkzeug, kein Datenlager und ersetzt weder ERP noch PIM. Es verschiebt keine kompletten Produktkataloge, sondern es verbindet die unterschiedlichen Systeme. Dabei richtet es sich an Teams mit einem gewissen Entwickler-Know-how. Wer heute schon den hauseigenen Flow Builder kennt, bekommt hier sozusagen die große Schwester: Der Flow Builder automatisiert Abläufe innerhalb von Shopware, Nexus orchestriert über verschiedene Systeme hinweg.
Copilot: Vom Erklären zum Erledigen – als Beta
Shopware Copilot wurde bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. Neu sind nun die agentischen Fähigkeiten, die Shopware jetzt als Beta freigegeben hat: Der Assistent legt Promotions an, ändert Hunderte Produkte in einem Rutsch oder übersetzt Shop-Inhalte. Nicht von allein, sondern wenn er dazu aufgerufen worden ist. So ist jede Änderung zunächst ein Entwurf, ein Mensch überprüft und erst nach der Freigabe werden die Anpassungen final übernommen. Dazu kommen definierte Rollenrechte, eine Positivliste der Datenbereiche, auf die der Assistent überhaupt zugreifen darf, und Hosting auf europäischen Servern.
Das ist ein vernünftiger Schritt im Hinblick auf die Sicherheit. Wer den Copilot heute testet, hat einen fleißigen „Sachbearbeiter mit Vier-Augen-Prinzip" an der Hand und keinen autonomen Mitarbeiter. Für den Alltag vieler Shops ist Ersteres wahrscheinlich auch das Nützlichere.
Payments: Die handfesteste Neuerung – mit einer Lücke
Mit Shopware Payments wandert die Zahlungsabwicklung in die Plattform selbst. Bezahlkarten, Apple Pay, Google Pay, Klarna und die PayPal-Zahlarten lassen sich künftig dort verwalten, wo auch Bestellungen und Daten liegen; abgewickelt wird über die regulierte Infrastruktur von PayPal, die Auszahlung soll laut Anbieter binnen 24 Stunden erfolgen. Verfügbar ist das Ganze ab sofort in Deutschland und Österreich, weitere EU-Länder und die USA sollen folgen. Ganz wichtig: Shopware betont ausdrücklich, dass niemand zu Shopware Payments wechseln muss, die bestehenden Zahlungsanbieter laufen weiter.
Eine Sache fehlt allerdings zum Start: eine veröffentlichte Preisliste. Shopware spricht von transaktionsbasierten, wettbewerbsfähigen Preiskonditionen. Konkrete Kosten gibt es bislang nur auf Anfrage. Bevor Shopware-Händler also über einen Wechsel nachdenken, gehört deshalb eine anständige Gegenrechnung auf den Tisch: Transaktionsgebühren je Zahlart und Verkauf, Auszahlungsrhythmus und Kosten für Rückerstattungen und dies alles im Vergleich mit dem, was Ihr jetziger Zahlungsdienstleister abrechnet.
Experience Studio: Ein Blick ins Labor
Als vierte Neuerung wurde das Experience Studio vorgestellt: Hier stehen Emotion, Vertrauen und Markenidentität im Vordergrund. Einfach gesagt: Händler beschreiben, welches Einkaufserlebnis sie wollen, und bekommen in Minuten ein funktionierendes Frontend. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar – wenn Agenten den funktionalen Teil des Einkaufens übernehmen, wird das menschliche Erlebnis zum Unterscheidungsmerkmal. Nur: Shopware nennt es selbst eine Forschungsvorschau. Shopware erlaubt schon jetzt, dass Nutzer die Technologie testen, mit Prompts experimentieren und eigene Einkaufserlebnisse generieren.
Zwei Abkürzungen, die Sie kennen sollten
Unter den vier Produkten liegt die eigentliche Plattform-Nachricht des Tages: 100 Prozent MCP-Abdeckung und UCP-Readiness. Klingt nach Techniksprache, betrifft aber die Zukunft Ihrer Sichtbarkeit.
MCP (Model Context Protocol) ist ein offener Standard, über den KI-Werkzeuge mit Software sprechen. Volle Abdeckung heißt: Praktisch alles, was sich in Shopware tun lässt, kann künftig auch ein KI-Tool tun – im Rahmen der Rechte, die der Händler vergibt. UCP (Universal Commerce Protocol) wurde Anfang 2026 von Google, Shopify und anderen vorgestellt und regelt, wie KI-Agenten Produkte finden, Warenkörbe füllen und bezahlen – etwa direkt in Googles AI Mode oder in Gemini, ohne dass der Kunde je die Shop-Website öffnet. „UCP-ready" bedeutet: Shopware-Shops sind auf solche Kanäle vorbereitet.
Die unspektakuläre Wahrheit dahinter: Kein Protokoll der Welt hilft einem Shop mit lückenhaften Produktdaten. Gepflegte Attribute, Schema.org-Markup und eine maschinenlesbare Übersicht wie die llms.txt sind das Fundament, auf dem diese Anbindungen später aufsetzen. Wie das praktisch aussieht, haben wir am Beispiel unseres FAQ Professional Plugins beschrieben.
Was Sie jetzt tun können – und was warten kann
Aktuell bleiben. Die Agentic-Bausteine kommen scheibchenweise mit den normalen Releases; der Agentic Commerce Sales Channel etwa steckte schon im April-Update 6.7.9.0. Shopware hat zudem bekräftigt, dass 2026 kein neues Major-Release kommt – wer auf einem aktuellen 6.7.x-Stand ist, fährt also ruhig und nimmt die Entwicklung automatisch mit. Den Überblick liefert unser Shopware-Changelog.
Daten aufräumen. Vollständige Attribute, saubere Kategorien, strukturierte Inhalte. Diese Arbeit zahlt sich aus, egal welches Protokoll sich am Ende durchsetzt – und dies ist der Teil der Arbeit, den Ihnen niemand abnimmt.
Schnittstellen inventarisieren. Welche Anbindungen laufen, wer pflegt sie, was kosten sie im Jahr? Ohne diese Übersicht lässt sich Nexus später nicht seriös bewerten. Mit ihr übrigens auch vieles andere.
Payments beobachten, nicht überstürzen. Konditionen anfragen lohnt sich, sobald bei Ihnen ohnehin ein Anbieterwechsel oder eine Konsolidierung ansteht. Vorher gilt: Wer zufrieden ist, hat keinen Grund zur Eile.
Unterm Strich war dieser Community Day eine Richtungsansage, keine Pflichtaufgabe für Shop-Betreiber. Shopware baut sich vom Shopsystem zur Handels-Infrastruktur um und verspricht dabei, dass Daten und Kontrolle beim Händler bleiben. Ob Nexus die Integrationskosten wirklich drückt und was Payments unterm Strich kostet, werden die ersten realen Projekte zeigen. Die Hausaufgaben, die sich heute schon lohnen, sind dieselben wie vor der Keynote: aktuelle Version, saubere Daten, dokumentierte Schnittstellen.
Sie möchten wissen, was davon für Ihren Shop relevant ist und was getrost warten kann? Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie ehrlich und ohne Umschweife.
Quellen: Pressemitteilung der shopware AG vom 10.06.2026 · Shopware Nexus · Ankündigung Shopware Payments · t3n vom 10.06.2026