p>Pickware hat am 9. Juni in einem Webinar seine neuen KI-Funktionen vorgestellt. Laut Pickware-CEO, Samuel Vogel, war es das größte Webinar der Firmengeschichte. Und das Interesse der vielen Teilnehmer kam nicht von ungefähr: Denn mit Pickware AI präsentierte die Darmstädter Firma eine neue Art mit dem ERP zu arbeiten. Hinter dem Namen Pickware AI stecken zwei Bausteine: ein KI-Chat direkt in der Administration und ein MCP-Server, der das ERP mit Assistenten wie Claude oder ChatGPT verbindet. Als Pickware-Partner haben wir uns natürlich ganz genau angesehen, was die neuen Funktionen leisten und für wen sie verfügbar sind.
Worum geht es?
Pickware ist das ERP für Shopware und Shopify und wird von weit über 1.000 Händlern eingesetzt. KI-Werkzeuge und Warenwirtschaft liefen bisher meist nebeneinander her: Produkttexte und Bilder lassen sich bereits seit einiger Zeit mit KI erstellen. An die eigentlichen Daten im ERP, etwa Bestellungen und Bestände, kam die KI dabei aber nicht heran. Diese Lücke will Pickware jetzt schließen. Das Versprechen von Pickware: Statt sich durch Menüs und Datentabellen zu klicken, sagen Sie als User dem System, was passieren soll.
Ganz neu ist die Idee bei Pickware übrigens nicht. Einen ersten Prototyp des Chats hatte das Team um CEO Samuel Vogel nach eigener Aussage bereits im Sommer 2025 gebaut, ihn dann aber zurückgestellt. Erst die Modellgeneration vom Jahresende habe den Ausschlag gegeben, das Thema in voller Breite umzusetzen.
Pickware AI besteht aus zwei Bausteinen: dem KI-Chat in der Administration und dem MCP-Server. Aber der Reihe nach.
Der KI-Chat: Fragen stellen, wo die Daten liegen
Der Chat ist über die Kopfleiste der Administration von jeder Seite aus erreichbar und arbeitet kontextbezogen: Ist gerade eine Bestellung oder ein Produkt geöffnet, beziehen sich Fragen automatisch darauf. In der Live-Demo prüfte der Chat etwa den Versandstatus einer Bestellung bis auf Artikelebene samt Lagerbeständen und fand die zugehörige offene Nachbestellung mit Liefertermin. Die Antwort-E-Mail an den Kunden hat der Chat anschließend gleich mitformuliert.

Ein zweites Beispiel: Ein Lieferant kündigt an, seine Preise um 10 Prozent zu erhöhen. Auf Nachfrage rechnete der Chat durch, welche Produkte dieses Lieferanten damit unter eine Mindestmarge von 25 Prozent fallen. Solche Auswertungen waren bisher Handarbeit mit Exporten und Tabellen.
Als Administrator haben Sie dabei immer die volle Kontrolle: Wer den Chat nutzen darf, steuern Sie über die Benutzerrollen, getrennt für Chat und MCP-Server. Und sind Sie mal mit einer Antwort nicht zufrieden, können Sie dies direkt im Chat bewerten. Das Feedback fließt laut Pickware in die Weiterentwicklung der KI-Funktionen ein. Zu den eingesetzten Modellen gab es in der Live-Demo konkrete Angaben: Im Hintergrund arbeitet überwiegend ChatGPT über einen Drittanbieter, mit Serverstandort in Europa und ohne dass die Daten für das Training der Modelle verwendet werden.
Der MCP-Server: Die Verbindung zu Claude, ChatGPT und Gemini
MCP steht für Model Context Protocol, eine standardisierte Schnittstelle, über die KI-Anwendungen auf externe Systeme zugreifen. Pickware hat diese Schnittstelle jetzt eingebaut. Damit lässt sich das ERP mit Claude, ChatGPT oder Gemini verbinden und mit weiteren Diensten kombinieren, die dort bereits angebunden sind, etwa dem E-Mail-Postfach oder Slack. Die Einrichtung läuft über die Pickware-Einstellungen: Dort wird eine Server-URL kopiert und im jeweiligen KI-Assistenten hinterlegt; eine Anleitung dazu gibt es im Pickware-Helpcenter.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigte die zweite Demo. Claude durchsuchte das angebundene Gmail-Postfach nach einer erwarteten Eingangsrechnung und ordnete sie der passenden Lieferantenbestellung in Pickware zu. Beim Abgleich der Positionen zeigte sich: Mengen und Artikel stimmten überein, die Einzelpreise wichen um zehn Cent pro Stück ab. Anschließend erstellte Claude auf Anweisung eine Excel-Liste der Abweichungen. Bei zwei Positionen findet man so etwas vermutlich auch selbst, bei 200 Positionen wird es ohne Unterstützung mühsam. Da die Assistenten auch als Apps auf dem Smartphone laufen, funktioniert das Ganze unterwegs, auf Wunsch per Spracheingabe.
Ein Händler berichtet
In einer Beta-Phase hatte Pickware seine neuen KI-Funktionen bei ausgewählten Händlern getestet. Im Webinar kam Daniel Kiefer zu Wort, Geschäftsführer der Grillmarke Barbossa. Als Enterprise-Kunde hat er Pickware AI bereits seit einigen Wochen im Einsatz, unter anderem für die Überwachung von Teillieferungen:
„Nur weil ich etwas bestelle, heißt es nicht, dass ich es bekomme. Mit Pickware AI kann ich mir den Überblick verschaffen, welche Ware noch im Zulauf ist, und das direkt mit Stornolisten der Hersteller abgleichen.“
Daniel Kiefer, Barbossa, im Pickware-Webinar
Verfügbarkeit: Wer bekommt was?
Pickware AI ist seit dem 9.6.2026 für alle Pickware-Kunden freigeschaltet. Der Funktionsumfang hängt jedoch vom gebuchten Plan ab:
| Plan | Umfang laut Webinar |
|---|---|
| Starter | Daten lesen und auswerten, etwa Bestände oder Umsätze abfragen |
| Advanced | zusätzlich Daten schreiben, zum Beispiel Preise ändern oder Nachbestellungen anstoßen |
| Professional | zusätzlich MCP-Server für die Anbindung externer KI-Assistenten |
| Enterprise | früherer Zugriff auf neue Entwicklungen |
Preise nennt Pickware auf der Produktseite nicht. Funktionen höherer Stufen lassen sich 30 Tage kostenlos testen.
Ganz wichtig für Shopware-Händler: Während Shopify-Nutzer die Funktionen automatisch erhalten haben, ist in Shopware ein Update des Pickware-Plugins erforderlich. Außerdem muss der Shop auf dem aktuellen Pickware-Lizenzmodell laufen. Wer noch einen älteren Vertrag hat, sollte diesen Punkt vor dem Update klären.
Ausblick: Agenten und individuelle Routinen
Pickware hat im Webinar auch über die nächsten Schritte gesprochen. So sind bereits jetzt autonome Agenten in Planung. Die Agenten sollen von sich aus Vorschläge machen, zum Beispiel wenn eine Lieferantenbestellung 30 Tage überfällig ist. Nach Freigabe sollen sie Routineaufgaben künftig selbstständig erledigen. Außerdem will Pickware die Möglichkeiten von Claude Code in das ERP holen, damit Händler dauerhafte, individuelle Routinen per Chat-Anweisung anlegen können. Als Beispiel nannte das Webinar einen Wunsch aus der Praxis: Bestände mit ablaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum sollen 60 Tage vor Ablauf automatisch ausgekoppelt und mit Rabatt im Shop gelistet werden. In Arbeit sind daneben ein E-Mail-Empfang direkt in Pickware sowie Umlagerungsaufträge zwischen Lagern.
Unsere Einordnung
Pickware dämpft die Erwartungen an einer Stelle selbst. Pickware AI sei „keine Magie“, so CEO Samuel Vogel, sondern arbeite auf Basis der vorhandenen Funktionen und Daten. Fehlt eine Grundfunktion im ERP, ändert auch der Chat daran nichts. Diese Einschätzung kommt hin, und sie unterscheidet die Vorstellung von manchem KI-Marketing der letzten Monate.
Für den Einstieg spricht einiges dafür, mit lesenden Anwendungsfällen wie Auswertungen und Statusabfragen zu beginnen. Schreibrechte über den Advanced-Plan lassen sich später immer noch ergänzen. Beim Datenschutz ist die Angabe, dass Anfragen über einen Drittanbieter mit Serverstandort in Europa laufen und nicht für das Training verwendet werden, eine brauchbare Grundlage. Eine datenschutzrechtliche Bewertung für den eigenen Shop ersetzt sie nicht; im Zweifel gehört das Thema zum Datenschutzbeauftragten.
Wir setzen Pickware seit 2015 in Kundenprojekten ein und übernehmen auf Wunsch das Plugin-Update und die Einrichtung, einschließlich eines Blicks auf das Lizenzmodell und die Benutzerrollen. Wenn Sie Fragen zu Pickware AI in Ihrem Shopware-Shop haben, sprechen Sie uns an.
Quellen:
- Pickware: Webinar „Pickware AI“ vom 9. Juni 2026 (YouTube): youtube.com/watch?v=IMlOBBoDsn0
- Pickware: Produktseite Pickware AI: pickware.com/de/pickware-ai